SPD-Anhänger auf Facebook klar gegen GroKo-Neuauflage

Große Koalition auch auf Facebook unbeliebt

Wir haben vier Tage lang analysiert, wie die Facebook-Fans der SPD zu einer möglichen Großen Koalition stehen. Das Ergebnis ist eindeutig.

Die mögliche Große Koalition ist für die Facebook-Fans der SPD ein wichtiges Thema: Die meisten User sind strikt dagegen (Auswertung für die Tage 4. bis 8. Dezember 2017).

Die Facebook-Community der SPD ist sich einig: Eine Neuauflage der Großen Koalition kommt für sie nicht infrage. Auf Facebook teilen die Fans der Partei fast ausschließlich Texte, in denen eine erneute Regierungsbeteiligung der SPD abgelehnt wird.

Der am häufigsten geteilte Artikel im Zeitraum vom 4. bis zum 8. Dezember stammt von der SPD-Parteizeitung Vorwärts und trägt den Titel: “Was wir von den Minderheitsregierungen Skandinaviens lernen können”. Darin beanstandet Autor Christian Krell eine zu kritische Einstellung gegenüber der für Deutschland ungewöhnlichen Regierungsform und weist auf ihre potentiellen Chancen hin. Ihm zufolge könne eine Minderheitsregierung auch hierzulande zu einem “lebendigen Parlament, einer strittigen und dann kompromissorientierten Entscheidungsfindung, weniger GroKo und mehr Debatte” führen. Auch böte die Konstellation die Chance, die Unterschiede zwischen CDU und SPD wieder stärker herauszuarbeiten.

Ablehnung auf Facebook größer als in SPON-Wahltrend

Passend dazu beschäftigen sich viele User mit einer Wahltrend-Umfrage von Spiegel Online, derzufolge 56,5 Prozent der SPD-Anhänger eine Minderheitsregierung befürworten, wohingegen sich nur 27,9 Prozent für eine erneute Zusammenarbeit mit CDU/CSU aussprechen. Im Unterschied dazu haben wir in unserer Facebook-Analyse kaum GroKo-Befürworter finden können.

Dafür aber Sozialdemokraten mit Galgenhumor: Besonders oft teilen die Facebook-Fans der SPD einen Text der Satire-Zeitung Postillon, in dem mit einem Augenzwinkern 8 Dinge aufgezählt werden, die in der Bevölkerung beliebter sind als eine Fortführung der Großen Koalition. Dazu zählen (nicht ganz ernst gemeint): Genitalherpes, ein Candle-Light-Dinner mit Donald Trump und Steuererklärungen auf Latein.

SPD-Anhänger auf Facebook fordern Glyphosat-Verbot

Die User setzen sich zudem stark mit einem Interview auseinander, das die Schweriner Volkszeitung mit Manuela Schwesig über die Forderungen ihrer Partei in den Gesprächen mit der Union geführt hat. Darin betont die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende, dass die SPD sich “jede Option zwischen der Großen Koalition bis zu Neuwahlen” offenhalten werde und versichert, der Beginn der Gespräche mit CDU/CSU sei “kein Automatismus für eine Große Koalition”. Als Kernthemen der SPD für den Austausch mit der Union nennt sie Investitionen in Bildung, Gesundheit und Pflege, den Kampf gegen Kinderarmut, eine Einschränkung befristeter Verträge sowie ein Rückkehrrecht für Frauen von Teilzeit in Vollzeit.

Den Facebook-Fans der SPD scheint aber ein anderes Thema viel wichtiger zu sein. Viele von ihnen teilen eine Petition der Organisation Foodwatch, in der von Martin Schulz gefordert wird, ein Glyphosat-Verbot zur Bedingung für die anstehenden Koalitionsgespräche zu machen. Dieselbe Petition findet auch bei CSU-Anhängern Anklang, wenn auch nicht ganz so stark wie bei den Facebook-Fans der SPD.

Geteilt werden außerdem zwei Beiträge über den Widerstand der SPD-Jugendorganisation Jusos sowie des Arbeitnehmerflügels der Ost-SPD gegen eine Goße Koalition und ein in der Oberhessischen Presse veröffentlichtes Interview mit der neu gewählten stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Malu Dreyer, die sich ebenfalls gegen eine erneute Regierungsbildung mit der Union ausspricht.

Die Auswertung basiert auf knapp 1800 Artikeln, die von den Fans der Facebook-Seite der SPD im Zeitraum vom 4. bis zum 8. Dezember gepostet oder geteilt worden sind. Die Analyse ist nicht repräsentativ, erlaubt aber tiefe Einblicke in die Facebook-Community der SPD. Sie konzentriert sich ausschließlich auf die Reaktionen der SPD-Fans auf eine mögliche Neuauflage der Großen Koalition. Weitere Themen und darin befindliche Fake News sind in die vorliegende Kurzanalyse nicht einbezogen worden.

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